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WAZ, 02.04.2009, von Kirsten Simon

Gegen Gewalt

Die Erich Kästner-Schule trägt jetzt den Titel
“Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage”

Drüber reden kann jeder, diese jungen Leute packen es an: Die Erich-Kästner-Gesamtschüler machen sich gegen Fremdenfeindlichkeit und für ein beherztes Eingreifen stark. Sie lassen also ihren Worten Taten folgen und können sich deshalb seit gestern als erste Bochumer Schule mit dem Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage” schmücken. Eine feierlich angebrachte Plakette am Eingang der Schule zeigt seitdem jedem Besucher, was hier abgeht. Nämlich einiges.
Festliche Musik hört sich vielleicht anders an, betulicher, aber „Schrei nach Liebe” von den Ärzten traf das Thema wirklich perfekt. Die Schulband hatte es ausgesucht und sang immer und immer wieder von dem Saudummen, dessen Hass seine Attitüde ist und den Springerstiefeln, die sich nach Zärtlichkeit sehnen. Hier wird kein Blatt vor den Mund genommen, vor allem dann nicht, wenn Schwächere untergebuttert oder ausländische Kinder blöd angemacht werden. „Wir waren schon immer eine multikulturelle Schule und haben uns stark gemacht”, sagt Schülersprecherin Romana Haupthof. Als Beispiele nennt sie die Streitlotsen, die zwischen Streithähnen vermitteln, ohne dass Lehrer eingreifen müssen. Oder die Busbegleiter, „dafür melden sich immer viele Schüler, die gerne in den Bussen auf die Jüngeren aufpassen”.

Was das bringt, erzählt Schulleiter Walter Bald: „Zwei aufmerksame Busbegleiterinnen haben haben bemerkt, dass ein Mitschüler erpresst worden ist.” Durch das couragierte Auftreten der beiden sei der Erpresser gestellt worden. Applaus für Yvonne und Anja aus der Jahrgangsstufe neun. Wie sehr die rund 1 100 Erich-Kästner-Schüler hinter der Anti-Rassismus-und-Pro-Courage-Aktion stehen, zeigt die Beteiligung:

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99 Luftballons auf ihrem Weg zum Horizont? Darüber können
Lisa(l.) und Romana von der Erich Kästner-Gesamtchule nur lachen.
Gemeinsam mit allen anderen Schülern haben sie über 1 000 Ballons
in den Himmel steigen lassen. Ein symbolischer Akt.           
Foto:WAZ, Horst Müller

Als die Schülervertretung die Werbetrommel für den Titel gerührt hatte, fand die Idee eine riesengroße Resonanz: „Von der Putzfrau bis zur Sekretärin haben alle mit ihrer Unterschrift zugestimmt”, sagt Beratungslehrerin Karin Finkbohner. Auch der prominente Pate, der zu jeder „Schule ohne Rassismus” gehört, war schnell gefunden. Es ist Ex-VfL-Spieler Darius Wosz.Der sagt: „Wir haben schon in der Bundesliga dem Rassismus die Rote Karte gezeigt. Und das muss in den Schulen auch so sein.” Ab sofort will er in jedem Jahr an einer Anti-Rassismus-Aktion der Erich-Kästner-Gesamtschule teilnehmen. Davon soll es viele geben, denn, das betonten bei dem Festakt gestern alle Beteiligten: Das Siegel verpflichtet, sich weiter gegen Rassismus und für ein gewaltfreies Schülerleben einzusetzen. Wobei – von Pflicht zu sprechen, ist falsch. Diese Schüler machen das gerne. Das soll ganz Bochum erfahren, deshalb wurden gestern zahlreiche bunte Luftballons in den Himmel geschickt.

Quelle: http://www.derwesten.de/nachrichten/staedte/bochum/2009/4/2/news-116172745/detail.html

KOMMENTAR:

Engagement

Kirsten Simon

Projekttage, Aktionen, interkulturelle Treffen, Gedenkveranstaltungen oder die Hilfe für benachteiligte Schüler im Schulalltag – für die Erich-Kästner-Schüler gehören diese Dinge ebenso fest zum Stundenplan wie Mathe, Deutsch oder Bio. Die Ernennung zur „Schule ohne Rassismus” ist für sie einerseits die Belohnung für bereits geleistetes Engagement, andererseits aber auch eine Bestätigung für etwas Außergewöhnliches, das hier längst gewöhnlich oder besser gesagt selbstverständlich geworden ist. Diese Einstellung ist der wohl beste Umgang mit dem Thema. Hier wird kein großer Akt veranstaltet, mal abgesehen von dem Festakt am Donnerstag, hier wird einfach gehandelt. Toll. Nur ein einziger Punkt stimmt nachdenklich: Bislang zählen in NRW 131 Schulen zum Netzwerk, aber bloß eine Schule aus Bochum. Dabei ist Bochum die sechstgrößte Stadt im Land.

Wie kann das sein?

Quelle: http://www.derwesten.de/nachrichten/staedte/bochum/2009/4/2/news-116178611/detail.html

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